Die Schlümpfe leben in Schlumpfhausen, wie man weiss. Schlumpfhausen wird als «Schlumpfokratie» ohne weitere Staatsorgane regiert. Damit ist verständlich, dass Eveline Widmer-Schlumpf unlängst meinte, dass sie ihren «Mädchennamen wieder hätte annehmen sollen». Wer den Auftritt der Bundespräsidentin in der «Arena» sah, erlebte einen Vorgeschmack dieser «Schlumpfokratie». Die Frau stellte ihre Kritiker als Gefahr für unsere Institutionen, ja als Staatsfeinde hin. Sie betrachtet sich selber als Institution. L’Etat, c’est moi.
Für die Widmer-Schlumpf-Schweiz, die Ringier-Schweiz, die Swiss-Award-Schweiz klappte bis vor kurzem alles tadellos: Wiederwahl als Bundesrätin, Wahl zur Bundespräsidentin. Es lief so geschmiert, dass man sich fast jedes Schmierenstück leistete. Die SVP-freien Zonen in Politik, Medien, Kultur und Gesellschaft umarmten sich im Freudentaumel. Und waren felsenfest überzeugt, ihren Nationalbank- Präsidenten Philipp Hildebrand halten zu können. Mit behördlichen Persilscheinen, bundespräsidialen Falschaussagen, verlogenen Ehrenerklärungen.
Als Hildebrands Kartenhaus wegen eines einzigen Weltwoche-Artikels zusammenbrach, brach für die Widmer-Schlumpf-Schweiz mehr als ein Kartenhaus zusammen. Nämlich eine ganze Widmer-Schlumpf-Welt. Seither herrscht Konsternation. Und Wut. Und Dummheit. «Hildebrand wieder einsetzen!» – titelt der Blick über seine Leserbriefe. Germanistikprofessor von Matt hätte Hildebrand als «unersetzliches Kapital» nie zurücktreten lassen. Moderator Schawinski sieht den Fall «bis zur Unkenntlichkeit skandalisiert». CVP-Ständerat Bischof bedauert den unschuldigen Hildebrand als Opfer von «Brandstiftern». Magazin-Kolumnist Binswanger vermisst das «politische Immunsystem», weil der zockende Notenbankchef gehen musste. Und alt Bundesrat Leuenberger sieht «eine rigorose Prüderie».
Mittlerweile riecht jede Bahnhoftoilette hygienischer als der Wertekodex unserer Eliten. Sie waschen einen Beamten rein, der unsere Nationalbank und gleichzeitig sein persönliches Spielkasino betreute. Der Skandal ist, dass der Skandal keiner mehr ist. Korruptionsähnliche Zustände gelten als normal. Schlumpfhausen ist alles andere als gemütlich. Denn es liegt viel näher an dem Kosovo, Kongo, Kirgistan und Kolumbien als jene Schweiz, die wir bislang kannten.